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Interview mit Lasse
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Aus: Neue Westfälische, 23. Juni 2003"Gedichte gehören gehört."Bielefeld. Er ist der Gewinner des internationalen Poetry Slams deutschsprachiger Länder, er hat im Auftrag des Goethe-Instituts in den Niederlanden seine Gedichte vorgetragen und sogar schon einmal einen Slam in Kroatien gewonnen: Lasse Samström ist einer der bekanntesten Poeten der deutschen Poetry Slamszene. Beim Dichterwettkampf im Bunker Ulmenwall musste er sich allerdings geschlagen geben, dem Publikum gefielen die Texte der Bielefelderin Uta Sprenger besser. Silvia Stieneker sprach mit Samström.
Wie sehr wurmt es Sie, dass Sie nicht gewonnen haben, wenn Sie doch sonst immer gewinnen?
LASSE SAMSTRÖM: Ich finde es gar nicht schlimm, gegen eine Lokalmatadorin zu verlieren. Außerdem gewinne ich gar nicht immer, meistens komme ich ins Finale und werde dann Zweiter, weil ich in der Endrunde oft Sachen mache, die mich mehr amüsieren als das Publikum.
Wie wichtig ist es, dass die Zuschauer beim Poetry Slam sich amüsieren, also lachen können?
SAMSTRÖM: Das ist ein zentrales Problem der Slamszene: die Abgrenzung von Comedy. Viele Slams werden von Comedians unterwandert, die ihre Sprache anschwellen lassen, weil sie denken, dass das dann dichterisch ist. Aber es gibt einen fulminanten Unterschied: Beim Poetry Slam gibt es keinen Lachzwang, die Leute hoffen nur, dass sie vielleicht lachen können. Und sie lachen aus anderen Gründen, nämlich weil die Gedichte wahr sind und die Menschen sich darin wiedererkennen können. Uns geht es um Lyrik, wir sind richtige Dichter.
Was macht Poetry Slams für Sie so reizvoll?
SAMSTRÖM: Man weiß nie, was kommt, das ist das Spannende daran. Man weiß nie, wie die Texte ankommen, in einer Stadt räumt man ab, in der anderen gefällts keinem. Die Vorstellung, dass man das coolste Gedicht wählt, ist eigentlich völlig absurd, weil Gedichte das Subjektivste überhaupt sind.
Seit 1997, also seit es in Deutschland die ersten Veranstaltungen dieser Art gab, nehmen Sie regelmäßig an Slams im gesamten deutschsprachigen Raum teil, können Sie inzwischen damit Geld verdienen?
SAMSTRÖM: Ich will mit den Slams überhaupt kein Geld verdienen, ich nutze sie höchstens als Sprungbrett, um noch andere Möglichkeiten für Lesungen zu bekommen. Aber Gage gibt es nicht, nur die Fahrtkosten werden erstattet. Das ist so wie früher beim Punkrock, da haben die Bands auch für Benzin und Bier umsonst gespielt.
Nach den Lesungen verkaufen Sie "laminierte Schüttelreimkärtchen". Was soll man damit anfangen?
SAMSTRÖM: Jeder kennt doch die Situation, dass man sich mit jemandem streitet, der die Argumente überhaupt nicht versteht. Dann schiebt man eben eins von meinen Kärtchen rüber, zum Beispiel "Die ohne Schimmer schone immer!"
Abgesehen von diesen Kärtchen weigern Sie sich aber, Ihre Texte zu veröffentlichen.
SAMSTRÖM: Das stimmt. Ich will nicht, dass meine Gedichte mit anderen Texten in ein Buch gequetscht werden, obwohl sie gar nichts miteinander zu tun haben. Darum schweiße ich meine Texte ja auch ein, dann bleiben sie einzeln. Ein Gedicht ist etwas, das auf einem Stück Papier steht, und nicht etwas, das mit irgendwelchen anderen Werken im Regal verfaulen sollte. Das Drucken gibt es erst seit 500 Jahren, die Poesie aber schon Tausende von Jahren länger. Gedichte gehören gehört und nicht gelesen. Und der Lyriker gehört auf die Bühne.
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